Ein Website-Relaunch ist ein heikler Moment. Eine neue, schönere Seite soll mehr Kunden bringen, doch wenn die Migration schlecht geplant ist, passiert oft das Gegenteil: Die Rankings brechen ein, die Anfragen bleiben aus, und die teure neue Website kostet Sie Umsatz. Wir haben genug Relaunches begleitet, um zu wissen, wo die Stolperfallen liegen. Diese Checkliste hilft Ihnen, Ihre über Jahre aufgebaute Sichtbarkeit zu schützen.
Warum ein Relaunch Rankings gefährdet
Google hat Ihre alte Website über Jahre indexiert und bewertet. Jede URL hat eine Geschichte, jeder Backlink zahlt auf Ihre Domain ein. Beim Relaunch ändern sich oft URLs, Inhalte werden verschoben oder gelöscht, und die technische Struktur wird umgebaut. Wenn Google nach dem Relaunch viele bekannte URLs nicht mehr findet oder nicht versteht, was sich wohin verschoben hat, verliert Ihre Seite an Vertrauen und damit an Rankings.
Der gute Teil: Diese Verluste sind fast immer vermeidbar. Sie entstehen nicht durch den Relaunch selbst, sondern durch eine schlampige Migration. Eine saubere Vorbereitung macht den Unterschied.
Vor dem Relaunch: Bestand sichern
Bevor Sie etwas verändern, müssen Sie wissen, was Sie haben. Diese Schritte gehören in jede Vorbereitung:
- Alle bestehenden URLs erfassen: Crawlen Sie Ihre komplette Website und exportieren Sie jede einzelne URL. Das ist die Grundlage für die spätere Weiterleitungsstrategie.
- Rankings dokumentieren: Halten Sie fest, für welche Keywords Sie aktuell ranken und auf welchen Positionen. Nur so erkennen Sie nach dem Relaunch, ob etwas verloren ging.
- Top-Seiten identifizieren: Welche Seiten bringen den meisten Traffic und die meisten Anfragen? Diese verdienen besondere Aufmerksamkeit.
- Backlink-Profil sichern: Notieren Sie, welche externen Seiten auf welche Ihrer URLs verlinken. Diese Verlinkungen sind bares Gold und dürfen nicht ins Leere laufen.
Diese Bestandsaufnahme ist Pflicht. Ohne sie navigieren Sie blind, und genau hier scheitern die meisten Relaunches.
Die Weiterleitungen sind das Herzstück
Wenn sich URLs beim Relaunch ändern, brauchen Sie für jede alte URL eine 301-Weiterleitung auf das passende neue Ziel. Eine 301-Weiterleitung sagt Google dauerhaft: Diese Seite ist umgezogen, übertrage das angesammelte Vertrauen auf die neue Adresse.
Beachten Sie dabei:
- Inhaltlich passend weiterleiten: Leiten Sie nicht alle alten URLs pauschal auf die Startseite. Jede Seite gehört auf ihr thematisch passendes neues Pendant.
- Weiterleitungsketten vermeiden: Eine URL sollte direkt auf das Endziel zeigen, nicht über mehrere Stationen. Ketten kosten Ladezeit und Linkkraft.
- Vollständigkeit prüfen: Gleichen Sie Ihre alte URL-Liste mit den eingerichteten Weiterleitungen ab. Jede URL braucht ein Ziel.
Behalten Sie die alten URLs am besten am Live-Tag möglichst weitgehend bei. Je weniger sich ändert, desto geringer das Risiko.
Technische Punkte, die oft vergessen werden
Beim Relaunch gehen technische Details gern unter, die später teuer werden. Prüfen Sie diese Punkte:
- Indexierung freigeben: Entwicklungsseiten werden oft auf „noindex“ gesetzt. Vergisst man, das beim Livegang zu entfernen, verschwindet die ganze Seite aus Google.
- robots.txt prüfen: Stellen Sie sicher, dass keine wichtigen Bereiche versehentlich blockiert sind.
- Sitemap aktualisieren: Reichen Sie eine frische XML-Sitemap mit den neuen URLs in der Google Search Console ein.
- Ladezeit und Core Web Vitals: Eine neue Seite ist nicht automatisch schnell. Achten Sie auf gute Core Web Vitals, gerade auf dem Smartphone.
- Strukturierte Daten und Meta-Angaben: Title-Tags, Meta-Descriptions und Markup müssen übernommen oder verbessert werden, nicht verloren gehen.
Nach dem Livegang: beobachten und nachsteuern
Mit dem Livegang ist die Arbeit nicht vorbei. In den ersten Wochen ist die Überwachung entscheidend:
- Prüfen Sie in der Search Console, ob Google neue Crawling-Fehler oder viele 404-Seiten meldet.
- Kontrollieren Sie, ob Ihre wichtigsten Seiten indexiert sind.
- Beobachten Sie Ihre Rankings und Ihren Traffic genau und reagieren Sie auf Auffälligkeiten.
Ein kleiner, kurzzeitiger Schwankung im Ranking ist normal, weil Google die neue Struktur erst verarbeiten muss. Ein nachhaltiger Einbruch dagegen ist ein Warnsignal, dem Sie sofort nachgehen sollten.
Den richtigen Zeitpunkt wählen
Ein oft unterschätzter Faktor ist der Zeitpunkt des Livegangs. Schalten Sie eine neue Website nicht ausgerechnet in Ihrer umsatzstärksten Phase live, wenn jede verlorene Anfrage besonders wehtut. Wählen Sie eine ruhigere Zeit, in der ein kurzzeitiger Schwankungseffekt weniger Schaden anrichtet und Sie Ruhe haben, um nachzusteuern.
Vermeiden Sie außerdem einen Livegang kurz vor dem Wochenende oder vor einer Urlaubsphase. Gerade in den ersten Tagen nach dem Relaunch müssen Sie aufmerksam beobachten und schnell reagieren können, falls etwas nicht stimmt. Wer freitagnachmittags live geht und dann tagelang nicht hinschaut, riskiert, dass ein Problem über Tage unentdeckt bleibt und sich verfestigt. Planen Sie den Livegang so, dass im Anschluss ausreichend Zeit für die Überwachung bleibt.
Inhalte beim Relaunch nicht verschlechtern
Ein verbreiteter Fehler ist, im Eifer des Redesigns die Textmenge zu reduzieren. Eine modern wirkende Seite mit viel Weißraum sieht zwar aufgeräumt aus, aber wenn dabei wertvolle Inhalte gestrichen werden, verliert die Seite genau die Substanz, für die sie rankt. Google bewertet Inhalte, nicht Optik. Achten Sie deshalb darauf, dass die überarbeiteten Seiten mindestens so viel relevanten Inhalt bieten wie zuvor, idealerweise mehr und besser strukturiert. Wenn Sie Texte kürzen, dann nur dort, wo sie wirklich überflüssig waren, nicht bei den Inhalten, die Ihre Sichtbarkeit tragen.
Relaunch als Chance nutzen
Ein gut geplanter Relaunch verliert keine Rankings, er kann sie sogar verbessern. Wenn Sie ohnehin alles umbauen, lohnt es sich, gleich die Inhalte zu stärken, die Struktur zu verbessern und technische Altlasten zu beseitigen. Ein neues Webdesign und eine durchdachte Suchmaschinenoptimierung gehen dabei Hand in Hand. Ein vorgeschaltetes Digital Audit deckt auf, wo die größten Risiken und Chancen liegen.
Wenn bei Ihnen ein Relaunch ansteht und Sie Ihre Sichtbarkeit nicht aufs Spiel setzen wollen, begleiten wir die Migration von Anfang an. Sprechen Sie uns an, bevor die erste Zeile Code geschrieben wird, das spart später viel Ärger.